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Die Weißtanne – Chance für Wald und Wirtschaft18.09.2018

Informationsveranstaltung Weißtanne

Am 16. August 2018 fand in Winterbach in Rheinland-Pfalz eine der bundesweit ingesamt 14 Informationsveranstaltungen für Förster zum Thema Weißtanne statt. Im Rahmen der Kooperation der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR) mit der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e.V. (ANW) stellte Benedikt Reger, Referent Markt und Produkte beim DeSH, die Weißtanne aus dem Blickwinkel der Holzindustrie vor. 

Chancen und Risiken 

Franz-Josef Risse, Leiter des Geschäftsbereichs Zentrale Holzbereitstellung an der Forstdirektion Tübingen-Bebenhausen und Vorsitzender der ANW Landesgruppe Baden-Württemberg, eröffnete die Veranstaltung mit einem Referat über die Chancen und Risiken der Weißtanne. Er zeigte auf, dass der Baumartenanteil der Fichte seit 1987 von 44 % auf rund 34 % zurückgegangen ist – der Tannen-Anteil hingegen bei 8 % stabil geblieben ist. Grund hierfür ist, dass die Tanne bei bis zu 5-8 Grad höheren Temperaturen gut zurecht kommt. Jedoch müsse man die biotischen Risiken beachten: Besonders der Tannenkrebs, die Tannenmistel und die Tannenkomplexkrankheit seien Krankheiten, die bei unsachgemäßen waldbaulichen Behandlungen auftreten können. In Baden-Württemberg habe man zudem die Erfahrung gesammelt, dass bei Tannen deutlich weniger Industrieholzanteile anfallen als bei der Fichte. Die besten Tannenqualitäten (B+) werden in Plenterwäldern erzielt und werden auch vom Markt nachgefragt, teilweise so stark, dass die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Weißtannenstammholz nicht gedeckt werden kann.

Beispiel Sachsen – Waldumbau mit der Weißtanne 

Im Anschluss berichtete Stephan Schusser vom Forstbetrieb Sachsenforst über den Umbau der Wälder in Sachsen und die Wiedereinführung der Tanne. Anhand des Forstbezirks Eibenstock zeigte er die Entwicklung von 1990 bis heute sowie die künftige Planung auf. Der Forstbezirk war geprägt von strukturarmen Fichtenbeständen. Dies führte unter anderem zu Bodenverschlechterungen, eingeschränkten Lebensräumen, Artenverlusten sowie zur schlechteren Trinkwasserbildung. In den Jahren von 2005 bis 2018 machte sich die nicht angepasste Waldbewirtschaftung besonders bemerkbar. Rund 850.000 m3Kalamitätsholz fielen in diesen Jahren an und machten damit über 50 % des Holzeinschlags aus. Vor diesem Hintergrund wird der Wald nun so umgebaut, dass dieser für den Klimawandel gewappnet ist. So soll auch der Weißtannenanteil auf 20 % angehoben werden – ein weiter Weg angesichts des Bestands von gerade einmal 274 Alttannen im Forstbezirk Eibenstock noch im Jahr 2008. Eine besondere Herausforderung sei der enorm hohe Wildbestand: Man könne zwar mit Zäunen und Einzelschutzmaßnahmen dem Verbiss vorbeugen – jedoch sei die Jagd von zentraler Bedeutung, wenn naturverjüngte Tannenbestände angestrebt werden. 

Bedeutung für die Sägeindustrie 

Benedikt Reger von der Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH) ging abschließend auf die Bedeutung von Nadelhölzern für die Holzindustrie sowie die technischen Potentiale und Herausforderungen der Weißtanne ein. Nadelhölzer werden in Deutschland vor allem in der Sägeindustrie verarbeitet und werden hauptsächlich als Bauholz verwendet. Die Bundeswaldinventur zeige aber, dass die Anteile der Fichte im Waldbestand weiter zurück gehen werden. Um auch weiterhin den Nadelbedarf der Gesellschaft und Industrie decken zu können ist man daher auf klimabeständigere Baumarten angewiesen. Die Tanne bietet hier auch aus Sicht der verarbeitenden Industrie wichtige Potenziale. Die holztechnologischen Eigenschaften sind der der Fichte sehr ähnlich. Prinzipiell sind alle Holzprodukte, die aus Fichte hergestellt sind, auch aus Tanne möglich. Vorteile habe die Tanne bei der Tränkbarkeit und bei verleimten Produkten. Durch den Nasskern ist es jedoch aufwändiger, die Tanne technisch zu trocknen. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Tanne zusammen mit der Fichte getrocknet wird. Eine Lösung hierfür wäre die ausschießliche Trocknung von Tannen. Da jedoch die Tanne in den meisten Regionen nicht ausreichend zur Verfügung steht, lohnt sich derzeit die Umstellung der Trocknung nicht.

Die Tagung endete mit einer Exkursion in das Forstrevier Gauchsberg, wo Forstrevierleiter Helmut May hier die Bedeutung der Jagd im Kontext der Weißtanne verdeutlichte.

Hintergrund: Die ANW richtet im Rahmen eines vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten zweijährigen Projekts bundesweit Seminare zur Etablierung der Weißtanne in deutschen Wälder aus. Zielgruppe der kostenfreien Veranstaltung sind Förster und Waldbesitzer, die ermuntert werden sollen, die heimische und klimawandeltolerante Baumart wieder vermehrt auf geeigneten Standorten in den Wäldern anzupflanzen. Die AG Rohholzverbraucher ist Kooperationspartner der ANW und koordiniert zu jeder Veranstaltung die Vorträge aus dem Kreis der Holzindustrie.